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Nicht ohne meine Uhr

Tick Tack, Tick Tack schlägt der Zeiger kontinuierlich den Rhythmus unseres Tages. Aus Sekunden werden Minuten, in denen wir immersiv in Träumen versinken können, oder Stunden, die wir mit Arbeit füllen oder uns gar langweilen. Die Uhr – und ihre ständig verfügbare Zeitanzeige – ist mittlerweile der treueste Begleiter unseres durchgeplanten Alltags geworden. Ein Tag ohne einen Blick auf die Uhrzeit zu werfen, ist in unserer Gesellschaft gar nicht mehr denkbar. Wir sind in der immer schneller werdenden Welt abhängig von der Zeit und somit auch von einem verlässlichen Zeitmesser.

Dabei ist die Uhr heutzutage nicht einfach nur ein Zeitmessgerät – sie ist unser bester Freund und Helfer, ein schmuckreiches Designobjekt und manchmal auch unser größter Feind. Wie in einer leidenschaftlichen Beziehung lieben und hassen wir unsere Uhr zugleich. Da erinnern wir uns nur an heute Morgen, als wir unseren Wecker gegen die Wand geschmissen haben, um ihn am Abend wieder liebevoll an seinen Platz zurückzustellen. Das nervige Temperament unserer Wanduhr bringt uns manchmal zur Weißglut, weshalb wir dann doch wie ein altes Ehepaar ganz genervt in getrennten Zimmern schlafen. Egal welche Uhr wir haben – sie besitzt die Fähigkeit, den Atem für Sekunden anzuhalten und unseren Herzschlag in rasende Geschwindigkeit zu versetzen.

Die scheinbar unzertrennliche Beziehung mit diesem unverzichtbaren Gerät veränderte und erleichterte das Leben der Menschen von Grund auf. Ohne die Erfindung der Uhr wäre es weitaus schwieriger geworden, gesellschaftliche Abläufe zu organisieren und den Alltag effektiver zu bestreiten. Die „Schlüsselmaschine des Industriezeitalters“ wie Lewis Mumford die Uhr bezeichnete, hat jedoch eine langwierige Reise hinter sich gebracht bis sie schließlich zu dem Zeitmessgerät geworden ist, das wir heute kennen und als selbstverständlich erachten. Die mechanische Uhr wurde ab dem 16. Jahrhundert in Form von tragbaren Uhren gebaut und gehörte damit zu den ältesten Errungenschaften „moderner“ Technik. Vor allem die Erfindung der Zugfeder ermöglichte die Verkleinerung der Uhr in handliche Größen. Diese Möglichkeit nutzte der bekannte Schlossermeister Peter Henlein und konstruierte um 1504 als einer der Ersten eine verkleinerte Uhr mit Federantrieb. Von dem Zeitpunkt an war die Uhr ortsunabhängig und als tragbares Zeitmessgerät von großer Bedeutung. Bei dieser Art von Uhr handelte es sich aber zunächst nur um Taschenuhren, die als ein Privileg in hochgestellten Kreisen an einem Halsband oder an einer Kette getragen wurden. Erst später fanden Taschenuhren ihren Weg zu einfachen Bürgern und Bauern, die ihren Alltag schließlich auch mobil bestreiten mussten. Bis die Uhr jedoch am Handgelenk getragen wurde, vergingen weitere Jahrhunderte

Und wer hat‘s erfunden? Ein Schweizer namens Abraham Louis Breguet, der im Jahr 1810 für Caroline Murat, die Schwester von Napoleon, die erste richtige Armbanduhr der Welt anfertigte. Für die Verbreitung von Armbanduhren ist dieser Auftrag aber noch lange nicht der Durchbruch gewesen. Armbanduhren wurden im folgenden Jahrhundert ausschließlich von Frauen getragen, da sie bei der Hausarbeit als besonders praktisch galten.

Noch bis ins 20. Jahrhundert waren vor allem Taschenuhren bei Männern sehr beliebt. Erst während des Ersten Weltkrieges erwies sich das zunächst sehr weibliche Zeitmessgerät am Handgelenk auch bei den Männern als sehr nützlich. So wurden Armbanduhren im Militär und schließlich auch in der Gesellschaft zum Standard bzw. allmählich zur Mode.

Von nun an stand der Weiterentwicklung der uns lieb gewonnenen Uhr am Handgelenk nichts mehr im Wege. Die Armbanduhr durchlief sowohl das Zeitalter der Automatisierung als auch der Digitalisierung bis sie schließlich in unserer heutigen, von Informationen überladenen, Zeit angekommen ist.

Dabei hat sich nicht nur die Armbanduhr selbst, sondern auch das Bild der Uhr mit der Zeit gewandelt. Die von uns häufig getragene Uhr wird immer mehr zum Accessoire und Alltags-gegenstand. Man könnte meinen die Zeitmessung sei im Vergleich zum Design, Material und zur Farbe immer unwichtiger geworden. Was früher eine Rarität war, ist heute ein Massenprodukt. Die Rede ist von Uhren, die massenhaft in Schränken liegen, Tag für Tag ihre Melodie spielen und auf ihren erfolgreichen Einsatz warten.

geschrieben von Mary


Artikel stammt aus dem Seitenspiel
Magazin 2016

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